Eine herrliche Woche Segeln auf dem Preußischen Adler liegt hinter den Sailing Tigers.
Am Freitag in der letzten Augustwoche besteigt die 11-Mann-Crew aus Verl in Maasholm/Schleimünde den großen Zweimaster. Länge 20 m, 34 Tonnen Gewicht. Das bisher größte Schiff, das wir gesegelt haben. Freitagabend bleiben wir im Hafen, denn der Seewetterbericht hat eine Starkwindwarnung ausgegeben. Am Samstagmorgen ist es dann aber soweit, der Preußische Adler entfaltet seine Schwingen und rauscht mit über 9 Knoten Fahrt Richtung Fehmarn. Der Segelmeister Kurt Bock - auch Zirpsel genannt - hat mit seinen Bootsmännern Andre Moseler, Hannes Gerlach und Rainer Köper die Segel optimal gesetzt. Die Abendflaute erwischt uns im Fehmarn-Belt in Höhe des dänischen Hafens Roedbyhavn, also wirft unser Maschinist Heinz-Christian Johanntokrax den Motor an. Nach einem schönen Segeltag schmeckt der Anleger besonders gut, und zur Krönung muss der Musikdirektor Josef Siggemann auch noch die Quetsche spielen.
Am Sonntagmorgen herrschen ideale Bedingungen, unter Vollzeug geht es bei Westwind Stärke 5-6 durch die Mecklenburger Bucht. Die Entscheidung für eine Nachtfahrt fällt nicht schwer. Im Abendlicht erreichen wir den Darßer Ort, und weiter geht es durch die sternenklare Nacht Richtung Osten. Drei Wachabteilungen lösen sich alle zwei Stunden ab, und die Küchenmannschaft - Michael Schütte und Gerd-Heiner Lückermann - sorgen bestens für heiße Getränke und Bütterchens.
Im Morgengrauen segeln wir entlang der Kreidefelsen von Rügen und liegen um 06:00 Uhr fest in Saßnitz. Bis zum Mittag ist Ausruhen angesagt, dann folgt ein üppiges Mittagessen im Restaurant Gastmahl des Meeres, ein Schwätzchen mit den letzten Fischern von Saßnitz am Hafenkiosk - und wieder Leinen los! Diesmal leuchten die Kreidefelsen in der Nachmittagssonne. Ein grandioser Anblick von See!
In Höhe des Königstuhls scheucht der Zirpsel seine Mannschaft an die Masten, und unter Vollzeug geht es in rauschender Fahrt Richtung Kap Arkona. Der Wind hat auf Nordost gedreht und nimmt im Laufe des Tages auf Stärke 6-7 zu. Zwei weitere Steuermänner schaffen die 11-Knoten-Marke - und der Kapitän Peter Stroop erreicht in einer Bö unglaubliche 12 Knoten. Mit einem so schnellen Schiff sind wir noch nicht gesegelt!
Gegen Abend wird es dann etwas ungemütlich, eine Regenfront folgt der nächsten, und mit zwei Reffs im Groß und der Fock, bei geborgenem Schoner und Klüver, geht es durch die zweite Nacht entlang der Mecklenburgischen Küste im hilfreichen Schein der Leuchtfeuer.
In der Nacht klart es auf. Der Sternenhimmel und der wunderbare Sonnenaufgang entschädigen für die Strapazen. Um 12:30 Uhr ist Burgtiefe auf Fehmarn erreicht. Der Kapitän und sein 1. Offizier, Günter
Kleinegräber, geben der Mannschaft frei bis zum Wecken. Aber zunächst ist an Bord Käptens-Dinner angesagt und der Smutje Michael übertrifft sich selbst. Alle packen mit an beim Kartoffel- und Zwiebelschälen und Gemüseputzen. Es gibt Steaks bis zum Abwinken und zum Herunterspülen alles Gute, was der Schiffskeller zu bieten hat. Ein wunderschöner Nachmittag klingt aus mit Zieharmonika-Spielen und Singen. Die beiden nächsten Tage verbringen wir mit vielen Kreuzschlägen, der Wind hat voll auf West gedreht, die Richtung, in die wir zurück müssen. Mittwochabend machen wir fest in Bagenkop und Donnerstagabend im Heimathafen des Preußischen Adlers in Maasholm.
Gut 400 Seemeilen, eine herrliche Segelwoche, liegen hinter uns, und vor uns 400 km direkt aufs Verler Leben.
Bruno Schroeder, Logbuchführer und Navigator
erschienen in "Verler Leben" 9/03